Studie zum Thema „Studentische Wohnungen als Anlageobjekte“ veröffentlicht

Vor kurzem ist in der Fachzeitschrift „RaumPlanung“ meine Studie zum Thema „Studentische Wohnungen als Anlageobjekte – Zu den sozialräumlichen Implikationen einer Investitionsstrategie in der Universitätsstadt Göttingen“ veröffentlicht worden.

Darin zeige ich auf, dass studentisches Wohnen für InvestorInnen mittlerweile eine profitträchtige Anlagestrategie geworden ist, was dazu führt, dass auch in Göttingen Renditen erwirtschaftet werden können, die mit denen in den Ballungsräumen vergleichbar sind. Diese Renditen entstehen jedoch nicht einfach so, sondern müssen von den InvestorInnen mittels verschiedener Strategien erst durchgesetzt werden: Aus Sicht der InvestorInnen besteht ein Vorteil von studentischen Wohnanlagen in der großen Zahl an NachfragerInnen, die die Vermietung standardisierter Apartments ermöglicht und so mit geringem Aufwand einen hohen Umsatz erlaubt. Hinzu kommt, dass der studentische Wohnungsmarkt als überhitzt gilt, weshalb es leicht möglich ist, hohe Mieten zu erwirtschaften.

Attraktiv für InvestorInnen ist auch die hohe Fluktuation, die im studentischen Wohnsegment herrscht. Dies ermöglicht Mietpreissteigerungen bei jedem Ein- und Auszug. Außerdem sind Studierende aufgrund des hohen Konkurrenzkampfes um Wohnraum dazu gezwungen, einen immer größeren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen auszugeben. Diese Umgangsstrategie macht Studierende ebenfalls zu einer lukrativen MieterInnenschaft für InvestorInnen und VermieterInnen. Eigene Erhebungen aus den Jahren 2014 bis 2016 haben ergeben, dass Studierende der Universität Göttingen rund 40% ihres Einkommens für Wohnen (Miete einschließlich Nebenkosten, Kosten für Internet und Festnetztelefon) ausgaben. Zum Vergleich: im bundesdeutschen Durchschnitt lag dieser Wert im Jahr 2014 bei 27%.

Eine weitere Strategie von VermieterInnen und InvestorInnen ist die Vermietung an Wohngemeinschaften. Inzwischen ist die Nachfrage von Wohngemeinschaften nach Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen gestiegen, weil sich viele Studierende Ein-Zimmer-Apartments nicht mehr leisten können. Aufgrund des gemeinschaftlichen Wohnens werden die Mieten pro Person erschwinglicher. Durch die Wohnform Wohngemeinschaft können aber, da hinter jedem/jeder studentischen MieterIn mindestens das Einkommen eines Elternteils oder das BAföG steht, höhere Mieten erbracht werden als von einer Familie mit einem oder zwei Einkommen. Dies macht studentische Wohngemeinschaften für InvestorInnen und VermieterInnen attraktiv.

Diese Vermietungsstrategien sowie die Tendenz von VermieterInnen, in ihren Beständen auf eine homogene MieterInnenschaft zu setzen, um Konflikte zu vermeiden, führt dazu, dass einkommensschwache Haushalte und Familien aus ihren bisherigen Nachbarschaften und Wohnungen verdrängt werden. Sie ziehen in die wenigen verbliebenen günstigen Wohngebiete oder in die ländlichen Gemeinden.

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Ein Gedanke zu “Studie zum Thema „Studentische Wohnungen als Anlageobjekte“ veröffentlicht

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