Mietpreise in Göttingen steigen auch 2017 weiter – Forschungsergebnisse veröffentlicht

Auch in diesem Jahr ist am Geographischen Institut Göttingen die Mietpreisentwicklung in der Stadt Göttingen untersucht worden. Das Ergebnis: Die Mieten steigen weiter, wenn auch moderater, als in den Vorjahren. Und: Grone hat im letzten Jahr die höchsten Mietpreissteigerungen zu verzeichnen.

Der durchschnittliche Angebotsmietpreis im Jahr 2017 (Erhebung Juni und Juli) liegt bei 9,98 €/m² (Nettokaltmiete) – der Angebotsmietpreis ist damit gegenüber dem Vorjahr um 3,88 % gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Steigerungsrate, wie auch schon im Vorjahr, etwas verlangsamt, die Dynamik hält aber weiter an. Innerhalb von vier Jahren stiegen die Angebotsmieten um knapp ein Viertel (24,6 %).

Mietpreis_2017_alle

Der Stadtteil mit den höchsten Angebotsmietpreisen bleibt die Nordstadt, in der unter anderem aufgrund der geringen Wohnungsgrößen, die durchschnittlichen Mietpreise bei rund 12 €/m² liegen. Überdurchschnittliche Mietpreise werden auch in Weende und der Innenstadt erzielt.

Mietpreis_2013-2017

Die höchsten Mietpreissteigerungen sind in diesem Jahr in Grone (ca. 8,5%) zu verzeichnen, gefolgt von der Südstadt (ca. 7,0%). Außerdem waren noch in Weende leicht überdurchschnittliche Mietpreissteigerungen zu nachweisbar (ca. 4,0%). Die Entwicklung in Grone macht einen Trend deutlich, der sich schon in den letzten Jahren andeutete, dieses Jahr aber noch stärker zum Tragen kommt. Die Stadtteile mit vergleichsweise geringen Mietpreisen haben die höchsten Mietpreissteigerungen zu verzeichnen. So ist Grone auch der Stadtteil, der über den gesamten Zeitraum seit 2013 nicht nur den höchsten relativen Mietpreiszuwachs von über 40%, sondern mit 2,29€ auch absolut die höchsten Mietpreissteigerungen verzeichnete. Dies ist stadt- und sozialpolitisch auch deshalb problematisch, weil bisher gerade in Grone Süd aufgrund der vergleichsweise günstigen Mietpreise ein großer Anteil an Personen mit geringen Einkommen wohnte. Eine ähnliche Entwicklung ist in der Weststadt zu verzeichnen, in der die Mietpreise immerhin um ca. 24% stiegen. Vor dem Hintergrund einer etwas anderen Konstellation sind die Mietpreise in Weende über den Untersuchungszeitraum um knapp 27% angestiegen (absolut um 2,28€). Weende war jedoch schon 2013 durch überdurchschnittliche Mietpreise gekennzeichnet. Hier nutzen die VermieterInnen und Investoren die Wohneigenschaften der Studierenden aus, um hohe Mietpreissteigerungen durchzusetzen.

Verknappung

Außerdem zeigt sich, dass das günstige Mietpreissegment immer knapper wird. So sank der Anteil der Wohnungsangebote mit einer Nettokaltmiete von maximal 7,49 €/m² von rund 43 % im Jahr 2013 auf ca. 13 % im Jahr 2017. Dies verdeutlicht, dass momentan größte Problem auf dem Göttinger Wohnungsmarkt: Bezahlbarer, insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen erschwinglicher, Wohnraum wird in der Stadt Göttingen sehr knapp. Hier gilt es dringend Abhilfe zu schaffen. Eine Ausweitung des Angebots fand in diesem Jahr im mittleren Preissegment von 7,50€ bis 9,99€ statt. Dieses Segment ist gegenüber dem Vorjahr zwar gewachsen, jedoch beruht dies auf einer Ausweitung der Angebote mit über 8,50€. Weshalb nur die Zahl der vergleichsweise höherpreisigen Angebote in diesem Segment gewachsen ist, während die günstigeren Angebote bis 8,50€ anteilig gesunken sind.

Ursächlich für diese Entwicklungen ist, dass im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise Immobilien zunehmend als sichere Kapitalanlage gelten. Dies hat zur Folge, dass Investitionen in der Bundesrepublik Deutschland zunächst in die Ballungsräume und Metropolen flossen. Seitdem dort die Renditen sinken, rücken Universitätsstädte und Regionalzentren, sogenannte B-Lagen-Städte, zunehmend in den Fokus der Anleger (vgl. Fehlberg/Mießner 2015). Aber auch die kleinen lokalen Privatinvestoren nutzen den Göttinger Immobiliensektor mittlerweile als wichtige Kapitalanlage, da aufgrund der Krise andere Geldanlagen nur geringere Renditen versprechen – auch diese Anleger haben ein Interesse möglichst hohe Renditen mit ihren Wohnimmobilien zu erzielen.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu “Mietpreise in Göttingen steigen auch 2017 weiter – Forschungsergebnisse veröffentlicht

  1. Pingback: Städtebaulicher Vertrag für Grone: mehr schein als Sein | Stadtentwicklung Göttingen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s