Vonovia SE in Göttingen

Wem nützt der freie Wohnungsmarkt?

Vonovia-Angebote in Göttingen (Quelle: Value AG)

Deutschlands größter Immobilienkonzern ist auch in Göttingen der größte ‚private‘ Wohnungsvermieter – wenn man genossenschaftliche und kommunale Wohnungen nicht zu Privat zählt. An über 215 Standorten (2020) in Göttingen verfügt die Vonovia über insgesamt 1.436 Wohnungen (Stand 2018), davon rund die Hälfte in der Weststadt: „Eisenbahnersiedlung“ in Grone Nord, Grone Auf dem Greite und im Blümchenviertel/Pfalz-Grona-Breite. Weitere Bestände konzentrieren sich in Weende (Ilmenauer Weg /Grüner Weg/Theodor-Heuss-Straße/) und in der Südstadt (Königsberger Straße). Darüber hinaus besitzt Vonovia Wohnungen in Geismar (Boecklinweg, Schulweg), Ebertal (Görlitzer Straße), Südstadt (Reinhäuser Landstraße) und in Weende-Nord.

Der aus der Deutsche Annington und der aufgekauften Gagfah hervorgegangene Immobilienkonzern, 2015 umbenannt in Vonovia SE, steht seit langen in der Kritik vor allem wegen teurer Modernisierungen, steigender Mieten und insbesondere wegen überhöhter Nebenkostenabrechnungen.

In Leipzig, Dresden, Berlin oder München – in ganz Deutschland klagen Mieter über intransparente und überhöhte Nebenkostenabrechnungen durch den Konzern Vonovia. „Bei der Vonovia handelt sich um einen Konzern, der sowas auch in einer Geschäftsstrategie plant“, sagt Daniel Zimmermann vom Deutschen Mieterbund. Es handele sich um ein System und nicht um Einzelfälle.“ (mdr 5.5.2021)

Mietpreissteigerungen durch den Immobilienkonzern können für Göttingen erstmals kleinräumig und über den Zeitraum von fast 10 Jahren dargestellt werden. Umfangreiche Angebotsmietdaten auf Internetportalen, von der Value AG zur Verfügung gestellt, ausgewertet durch M. Mießner (Universität Trier) und H.D. von Frieling (Göttinger Bündnis „Gutes Wohnen für Alle“), zeigen folgende Entwicklungen:

Vonovia hat seit 2015 die (Angebots)Mieten drastisch angehoben. Im Mittel verlangt der Konzern 2020 eine um 47% höhere Quadratmetermiete gegenüber 2015 für ihre 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen. Die Erhöhung der Mieten ist noch grösser, geht man von den Mieten der Jahre 2012 – 2014 aus, als ein Teil der Wohnungen noch der GAGFAH gehörte. Die 3-Zimmer-Wohnungen – das Segment mit den relativ niedrigeren Quadratmetermieten (siehe https://stadtentwicklunggoettingen.wordpress.com/2022/03/25/mietenentwicklung-2012-2021/ )

– hat Vonovia seit 2012 sogar um 67% erhöht, während es im Mittel aller Anbieter in Göttingen +47% sind. Vonovias Mieten liegen 2020 zwar noch leicht unter dem Mittel für ganz Göttingen. Dennoch hat die Mieterhöhung durch Vonovia eine besondere Bedeutung für den Göttinger Wohnungsmarkt. Die überdurchschnittliche Steigerung hat nämlich ihren Grund vor allem darin, dass ein großer Teil der vor 10 Jahren noch sehr preiswerten Wohnungen verschwunden ist. In der Pfalz-Grona-Breite z.B. gab es 2012-14 noch Mieten von 5 Euro/qm bis 6 Euro/qm, heute liegen sie bei 8,50 Euro/qm. Diese preiswerten Mieten hat Vonovia ab 2015 konsequent und schnell angehoben. Die Grafik zeigt sehr klar, wie zunächst die Preise für 1-Zimmer-Wohnungen ansteigen und dann aber auch die für die anderen Wohnungsgrössen, vor allem für die 3-Zimmer-Wohnungen. Dass es sich um eine Ausnutzung der Marktsituation zur Steigerung der Unternehmensgewinne handelt, zeigt sich darin, dass die höheren Mieten in vielen Fällen verlangt werden, ohne dass Modernisierungsmassnahmen durchgeführt und umgelegt worden sind (wie das in einigen Quartieren wie Grone Nord und Ilmenauer Weg der Fall war).

Die rasche Durchsetzung der Mieterhöhung ist offensichtlich auch möglich durch eine hohe Fluktuation bei den Mietern. Die Zahl der von Vonovia inserierten Angebote steigt bis 2018 auf über 200 im Jahr an. Für jede 6. Wohnung ihres Bestandes hat Vonovia in 2018 neue Mieter gesucht. Dabei handelt es sich nicht überwiegend um kleine Wohnungen, die vielleicht auf studentische Nachfrage gerichtet sind. Deutlich über 50% der Angebote sind 3- und mehr Zimmer-Wohnungen, also das Segment familiengerechter Wohnungen.

Anzahl der Vonovia-Angebote in Göttingen (Quelle: Value AG)

Vonovia, einer der grössten „privaten“ Anbieter auf dem Göttinger Wohnungsmarkt, hat seit 2015 also erheblich dazu beigetragen, dass es – auch für Familien -immer weniger bezahlbare Wohnungen in der Stadt gibt.

Die Kehrseite – genauer der Zweck dieses „marktgerechten“ Verhaltens – ist den Geschäftsberichten des Immobilienkonzerns zu entnehmen. Der Konzern, einer der zu der von den in Göttingen regierenden Parteien SPD-FDP-CDU so umhegten und geschätzten Gruppe der „Investoren“ gehört, meldet einen Geschäftserfolg nach dem anderen. Die Dividenden der Vonovia-Aktionäre steigen stetig und beständig. Inzwischen fliessen nach Schätzungen 44% der Miete direkt in die Konten der Aktionäre!
(Vonovia-Geschäftsbericht 2021: Die „Lösung“ bekommt Probleme: https://mieteraktionärin.de/category/konzerne/vonovia/; 9.4.2022)

Die kritischen Mieteraktionärinnen, unterstützt von zahlreichen weiteren Mieterinitiativen, rufen daher auf zurVoNO!via-Demo 2022.

Dazu findet in Göttingen Veranstaltung am 13.4.22. um 19 Uhr in der Oberen Masch 10 Veranstaltung statt!

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