Neue Wohnquartiere IWF / Südlich Nonnenstieg

Ein Beitrag des Wirtschaftsgeografen Hnas-Dieter von Frieling

Luftbild 1999


Dokumentation

Die Dokumentation gibt einen Überblick über den bisherigen Planungsverlauf auf der Grundlage von Protokollen des Rates der Stadt Göttingen (und seinen Ausschüssen) sowie Artikeln der lokalen Printmedien. Soweit nicht anderes angegeben ist, ist die Quelle das Protokoll der öffentlichen Sitzung des jeweiligen Datums (https://www.goettingen.de/rathaus/oeffentliche-sitzungen.html)
Kommentare und Einschätzungen des Planungsvorhabens folgen später.
Kritik, Ergänzungen, Korrekturen sind willkommen.


1959/60Bau des IWF – „Institut für den Wissenschaftlichen
Film gemeinnützige GmbH,
Göttingen“ (IWF) –
(bis dahin landwirtschaftlich Fläche )
Ende 2010Schließung des IWF, Aufgabe des Standortes, (zu
dem auch Kleingärten gehören), die Stadt Göttingen
zeigt Kaufinteresse
Februar 2012Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan
„Südlich Nonnenstieg“
Frühjahr 2012Rahmenvereinbarung zwischen IWF Wissen und
Medien gGmbH
, potenziellem Entwicklungsträger
und Stadt Göttingen, März bis Juli: städtebaulicher
Wettbewerb „Lebensquartier Nonnenstieg“ bis
Sommer 2012
Mai 2012EBR Projektentwicklung GmbH gegründet,
EBR überbietet Kaufangebot der Stadt
Sommer 2012EBR kauft das 22.000 qm große Grundstück für
etwa 5,1 Mio. €
November 2012Gründung einer Bürgerinitiative, Kritik an den Plänen
einer massiven Bebauung
März 2013„Neustart“, (leicht geänderte) Rahmenbedingungen
vom Bauausschuss der Stadt zustimmend
beschlossen (Reduktion der Geschossflächenzahl (GFZ))
Juni/August 2013Weiterhin Widerstand der Bürgerinitiative gegen massive
Überbauung und für den Erhalt des kompletten Grünflächen-
bestandes, kontroverse Diskussionen, Bürgerversammlungen,
„Runder Tisch“ – „eine weit über die gesetzlichen
Anforderungen hinausgehende Bürgerbeteiligung“
(aus Sicht der Stadtverwaltung)
November 2013Diskussion des Rates über Auslegung des Bebauungsplans,
nun leicht verringert Geschossflächenzahl (GFZ) von 0,95,
EBR kritisiert„den massiven Eingriff
in die Planungen des Investors“ (d.h. die Reduzierung der
ursprünglich geplanten Wohnfläche um 5.500 qm)
Nov./Dez. 2013Städtebaulichen Vertrag mit EBR „Gestaltungsvereinbarung
ehemaliges IWF- Areal“
Februar –
Oktober 2014
Im Februar beschließt der Rat, den Bebauungsplan
auszulegen, aus Verfahrensgründen ist im Juli eine 3.
Auslegung des Bebauungsplan Nr. 242 notwendig;
es gibt 426 Einwendungen („Bedenken“), die „sehr
große Anzahl an eingereichten Stellungnahmen bislang
einzigartig“ (so die Stadtverwaltung); alle bis auf eine
werden von der Stadt zurück gewiesen oder als bereits
berücksichtig beschieden.
November 2014Vertagung des Bebauungsplans im Bauausschuss
Oktober 2015 –
August 2018
Nutzung als Unterkunft für Geflüchtete,
Überarbeitung des Bebauungsplans
September 2017Städtebaulicher Vertrag der Stadt mit EBR (30%
preisgünstige Wohnungen, Preisbindung 10 Jahre,
Bauantrag 9 Monate nach Rechtskraft des Bebauungs-
plans, Baufertigstellung innerhalb von 24 Monaten).
Das Kleingartengelände „Am Rohns“ (ursprünglich
Teil des IWF-Geländes) bleibt dauerhaft Kleingarten-
gelände.
Oktober 2017Auslegung des (geänderten) Bebauungsplans
März 2018nach 6 Jahren stimmt der Rat der Stadt dem
Bebauungsplan zu, im April erfolgt die amtliche
Bekanntmachung; es werden Anträge auf Normen-
kontrollverfahren gestellt
August 2018EBR verkauft 17.000 qm an Wertgrund
Wohnpartner 2 GmbH&Co KG
für rd. 8 Mio. €,
Steigerung des Bodenpreises um 100% in 6 Jahren
(von 232 €/qm auf 470 €/qm),
(30%-Quote wird von Wertgrund übernommen,
Vereinbarung über Fristen des Bauantrages wird in
Frage gestellt) – „die Politik ist verstimmt“
Januar 2019Bauvoranfrage der Wertgrund
Februar 2019neue Vereinbarung der Stadt mit Wertgrund
(Bauantrag bis spätestens Februar 2020, (Rechts-
kraft des Bebauungsplans vorausgesetzt) Im April
präsentiert Wertgrund dem Rat das Baukonzept
(sieben 5-6 geschossige Wohnblöcke mit insgesamt
210 Mietwohnungen und 150-160 Tiefgaragenstellplätzen).
Oktober 2019Abriss der IWF-Gebäude beginnt
Januar 2021Baubeginn auf dem 17 429 qm grossen Grundstück
sieben 3-5 geschossige Baukörper, gebaut werden
214 Mietwohnungen, davon 76 gefördert und preisreduziert
und eine Tiefgarage mit 120 Stellplätzen

Weiter Informationen siehe:
Wohnraum Atlas Göttingen. Wohnungsversorgung und Wohnungspolitik in Göttingen seit 2010. S. 23-24.
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-707951


unten im Uhrzeigersinn:1. Ausschnitt aus dem Flächennutzugsplan 1975 – orange: ehemaliges IWF-Grundstück (Quelle: Bebauungsplan Entwurf von Bankert, Linker & Hupfeld, 2013), 2. und 3. Modell der Bebauung 2013 (Quelle: Präsentation der Bürgerinitiative Nonnenstieg, http://www.nonnenstieg-buergerinitiative.de., am 26.10.2017) 4. Modell der Bebauung 2019 (Quelle: blauraum Architekten GmbH: WOHNEN AM NONNENSTIEG – GÖTTINGEN, 38. Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke. 04.04.2019)

oben: Luftbild 1999 (Quelle: AWIA Umwelt GmbH 2012: „Historische Nutzungsrecherche“. Gutachten im Auftrag von EBR)

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s