Gentrifizierungsdruck der Großstädte nun in Göttingen angekommen?

Foto: K.P. Wittemann (2020)

Die BürgerInnen in Grone Süd kommen nicht zur Ruhe. Nach den Mieterhöhungen zum 1. Oktober 2017 und den anschließenden Diskussionen um die Sanierung und damit bevorstehenden erneuten Mieterhöhungen, sorgen jetzt falsche Nebenkostenabrechnungen der ADLER Real Estate AG für Ärger. Groner MieterInnen riefen deshalb für gestern eine MieterInnenversammlung ein und aufgrund des öffentlichen Drucks erklärte die ADLER die Nebenkostenabrechnung nochmals zu überprüfen.

Es sieht ganz danach aus, als wäre der ökonomisch betriebene Gentrifizierungsdurck der Großstädte nun endgültig in Göttingen angekommen. Nach den Mieterhöhungen, die die ADLER in Ihren Beständen zum 1. Oktober 2017 durchgesetzt hatte und die wohl auf die ADLER-Strategie, die Mieteinnahmen im Jahr 2017 um 3% zu erhöhn, zurückgehen dürfte. Ein Großteil der Kosten der anstehenden Sanierungs- und Aufstockungsmaßnahmen werden ebenfalls, wie ein Vertreter der ADLER auf einer früheren Groner-MieterInnenversammlung betonte auf die bestehenden Mieten aufgeschlagen. Und nun die falschen Nebenkostenabrechnungen, die ohne öffentlichen Druck einige MieterInnen 540€ gekostet hätten. Auch wenn die ADLER die falsche Nebenkostenabrechnung mit einem „systemseitigen Fehler“ im Abrechnungssystem, der nun überprüft werde begründet, so erwecken die Handlungen doch den Eindruck, dass Seitens der ADLER einiges getan wird, um in den Groner Beständen hohe Renditen zu erwirtschaften, die an die AnlegerInnen weitergegeben werden können. Der Verein für interkulturelle Nachbarschaft IN Grone e.V.  betont in seiner Pressemitteilung sogar, dass es sich nicht um ein Versehen handeln könne, sei doch ursprünglich gegenüber dem Ortsratmitglied Hendrik Falkenberg betont worden, „dass da nichts zu machen sei, wenn nicht jeder Mieter einzeln Widerspruch einlegt“.

Für die Auswirkungen der Sanierungen auf die QuartiersbewohnerInnen bedeuten all diese Entwicklungen nichts Gutes. Die Stadt betont zwar, „dass es im Rahmen der Verhandlungen mit der Adler AG über die Nachverdichtung des Quartiers Ziel der Verwaltung ist, für einen möglichst großen Anteil an Wohnungen eine Mietpreisbindung zu vereinbaren“. Es ist nur zu hoffen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit im Umgang mit der ADLER gelernt und eine sehr gute Strategie hat. Hier scheint eine deutliches Signal der Stadt notwendig. Sie hat dazu tatsächlich auch einige Mittel und könnte zum Beispiel die für die Aufstockung notwendige Änderung des Bebauungsplans nur dann genehmigen, wenn sich die ADLER auf einen Städtebaulichen Vertrag einlässt, in dem Mietobergrenzen festgeschrieben werden. Sie sollte dieses Mittel auch nutzen.

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