Nordstadt-Infoveranstaltung: zwischen BürgerInnenwünschen und städtischen Handlungsoptionen

Gestern fand eine Informationsveranstaltung zum Stand der Planungen für den Rahmenplan der Nordstadt statt. Dieser Rahmenplan ist die Voraussetzung für einen Antrag auf Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm des Landes Niedersachsen. Das Planungsbüro ASTOC stellte in der Veranstaltung seine Pläne für die Weiterentwicklung vor. Einen besonderen Fokus legte es auf die Verkehrsinfrastruktur (Fuß- und Radwege, Parken), stellte Vorschläge zur Nachverdichtung an und Ideen für einen sog. Nordstadtpark vor. Ich möchte die gemachten Vorschläge nicht im einzelnen hier diskutieren, sondern vielmehr auf zwei Punkte hinweisen.

Auffällig war zum einen, dass die hohe Zahl an Studierenden, die in der Nordstadt wohnen, als problematisch angesehen wurde, weil dies nicht der stadtplanerischen Idee der sozialen Durchmischung entspreche. Herr Habermann-Nieße vom Projektbüro plan zwei aus Hannover, das die vorbereitende Untersuchung durchgeführt hatte, ging sogar soweit zu sagen, dass die Entwicklung gar einen „Kipppunkt“ erreicht habe. Stattdessen sollen nun Familien stärker in den Stadtteil gelockt werden -auch deshalb der Fokus auf die Freiraumplanung mit Verkehrswegen und dem Nordstadtpark. Es wurde nicht genauer erläutert welcher Bevölkerungsschicht die gewünschten Familien angehören sollten. An den getätigten Aussagen, dass der Stadtteil auch für Uni-MitarbeiterInnen attraktiv werden solle und an der Ausrichtung des Sartorius-Geländes wird aber deutlich, dass wohl vornehmlich Mittel- und Oberschichtsfamilien angesprochen werden sollen. Zwar wurde betont, dass die Nordstadt im Zuge der geplanten Nachverdichtung einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit günstigen Wohnraumversorgung beitragen solle, es wurde in der Veranstaltung aber sehr deutlich, dass die Stadt und die städtische Planung hier sehr auf die Inititative der PrivateigentümerInnen angewiesen ist – und die bauen selten auf Eigeninitiative im günstigen Mietpreissegment.

Zum anderen betonten im Anschluss an die Präsentation der Planungen, gleich mehrere BürgerInnen, dass sie sich einen dauerhaften Ort der Begegnung, des Miteinanders und des Austauschs in der Nordstadt wünschen würden. Ein Bürger schlug eine Art Nachbarschaftszentrum vor. Die Reaktion der ProjektplanerInnen und VertreterInnen aus Verwaltung und Politik war zwar wohlwollend, aber doch sehr zurückhaltend. Immer wieder betonten sie dass die Stadt kaum eigene Flächen im Stadtteil besitze und deshalb nur versuchen könne auf die privaten Akteure in diesem Sinne hinzuwirken. Auch sei die Nordstadt kein Stadtteil, der in das Soziale Stadtprogramm aufzunehmen sei, nur dort würden Nachbarschaftzentren finanziert werden. Die BürgerInnen der Nordstadt können also davon ausgehen, dass sich in den nächsten Jahren einiges in ihrem Stadtteil – durchaus zum Guten – ändern wird. Einen wirklichen Ort der Begegnung werden sie jedoch nicht erhalten. Ein solches Zentrum ist für die Stadtverwaltung und -politik nicht lohnend und vor dem Dogma ausgeglichener Haushalte schlicht zu kostspielig.

Einmal mehr wird deutlich, die Bedürfnisse und Wünsche der BürgerInnen werden von den Planungen der Stadt zwar wahrgenommen, ob sie aber tatsächlich in ausreichendem Maß berücksichtigt werden hängt stark davon ab, ob diese auch im Interesse der GrundstückseigentümerInnen und Investoren sind. Sollte dies zusammengehen, können die Forderungen auch umgesetzt werden, wenn nicht, hat die Stadt offentsichtlich wenig Einflussmöglichkeiten.

Hier dokumentiere ich die Präsentationen der beiden Planungsbüros: ASTOC, Plan zwei

 

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