Keine Rendite im Sozialen Wohnungsbau?

Immer wieder heißt es, dass im Sozialen Wohnungsbau keine oder nur äußerst geringe Renditen erwirtschaftet werden können und deshalb frei finanzierter Wohnungsbau zu bevorzugen sei (z.B. im GT). Dieses Argument scheint die Göttinger Kommunalpolik so stark zu beeifnlussen,  dass bisher lediglich für einzelne Projekte eine Quote für Sozialwohnungsbau diskutiert wird. Umgesetzt wird die Quote nun erstmalig beim „Projekt Wohnen am Klosterpark“ . Für die Entwicklung des Projektes auf dem ehemaligen Satorius-Geländes wird sie hingegen nicht angestrebt.

Eine Studie des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung machte bereits im Jahr 2012 deutlich, dass je nach Lage des Projektes und der städtischen Struktur im geförderten Wohnungsbau durchaus marktgleiche (oder gar höhere) Renditen erwirtschaftet werden können. In vielen Lagen in den Untersuchungsstädten Dortmund, Frankfurt am Main, Hamburg, Ingolstadt, Köln, München und Stuttgart ist es demnach möglich im geförderten Wohnungsbau gleichwertige Renditen zu erwirtschaften, wie im frei finanzierten. In Dortmund, Ingolstadt, Köln, München und Stuttgart war es insbesondere in mäßigen Lagen sogar wesentlich profitträchtiger Sozialwohnungen zu bauen statt freifinanzierte. Die Renditerate lag hier im geförderten Wohnungsbau zum Teil um mehr als 3 Prozent höher als im frei finanzierten Wohnungsbau.

Auch seitens der Immobilienwirtschaft ist man sich der Profittächtigkeit des Sozialwohnungsbaus durchaus bewusst. In der Augustausgabe der FondsNews, dem Newsletter der deutschen institutionellen Immobilien-Fondswirtschaft, legt der geschäftsführende Gesellschafter der, in Göttingen nun auf dem Satorius-Gelände aktiv werdenden, ‚Hamburg Team‘-Gesellschaft dar, dass der Sozialwohnungsbau „ein attraktivesRendite-/Risikoverhältnis für langfristig orientierte Investoren“ (Jorzick 2016, S. 4) bietet. Er rechnet vor, dass im gefördeten Wohnungsbau Renditen von mehr als 3 Prozent erwirtschaftet werden können. Diese Rendite liege zwar unterhalb der im freifinanzierten Wohnungsbau, könne aber nach Ende der Mietpreisbindung (nach 15 Jahren) erheblich gesteigert werden und perspektivisch die Rendite im freifinanzierten Wohnungsbau sogar überschreiten.

Diese Studien machen deutlich, dass geförderter Wohnungsbau nicht per se geringere Renditen abwirft, als frei finanzierter. Und selbst wenn die Renditen geringer sind, sind diese Bestände für Investoren, aufgrund der erfahrungsgemäß geringen Leerstandsquote und des damit verbundenen geringen Ausfallrisikos, aus Investorensicht sogar eine interessante Portfolioergänzung. Deshalb sollte eine Quote für Sozialen Wohnungsbau bei neu zu realisierenden Projekten nicht pauschal zurückgewiesen , sondern stets neu diskutiert, überprüft und ggf. auch umgesetzt werden.

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